Kleiner Gierhals

Da sitzt man die Bein im Wasser baumelnd am Wannsee und plötzlich kräht und kächzt es neben einem. Und schwupps ist es vorbei mit der Ruhe. Das kennt man wenn man Kinder hat. Dann wollen sie spielen oder was zu essen ... Moment! - Ein Blick auf die beiden Nebelkrähen die sich neben mir niedergelassen haben, wirkt plötzlich wie ein Blick in den Spiegel ...

Tatsächlich ist es nur eine der beiden Krähen die mit aufgerissenem Schnabel unaufhörlich krächzt. Die zweite Krähe sitzt hingegen ruhig daneben und wie ich so denke "Stopf ihr doch endlich das Maul!", tut sie genau das. Tief versinkt sie mit ihrem Schnabel voran in den weit göffneten Rachen der anderen Krähe bis das Krächzen zu einem Würg- und Gurgelgräusch wird.

Krähe bei der Fütterung eines Jungtieres junge Krähe wird von Elterntier gefüttert

"Krächz, Krächz ... Würg-Gurgel-Würg ... Krächz, Krächz" - Wie aufopferungsvoll die Krähe ihrem Jungtier nach und nach ihren Mageninhalt überlässt. So langsam beginne ich Mitgfühl mit der Elternkrähe zu entwickeln. Uns verbindet eine Gemeinsamkeit. Ok, wenn meine Kinder Hunger haben, würge ich mein Essen nicht hoch, das ist schnell und unkompliziert mit einem Griff in den Kühlschrank getan. - Gott sei Dank!

Plötzlich stört mich das Gekrächze und Gegurgel gar nicht mehr. Wahrscheinlich weil ich froh bin, dass die eigenen Kinder unbeeindruckt von dem Spektakel weiterhin die Füßen entspannt im Wasser baumeln lassen. Aber ich warte jede Sekunde auf die Frage: "Papa, kriegen wir ein Eis?"